klavierunterricht

pro

Üben - Wie geht das?

 

 

 

Wie übe ich richtig?

 

Bevor wir dieser bedeutenden Frage auf den Grund gehen, soll geklärt werden:

 

Was ist „Üben“ eigentlich?

 

Üben ist das gezielte Verbessern des Spiels. Der effektive Übende fokussiert all seine Aufmerksamkeit auf eine Aufgabe und reflektiert Ergebnisse und verwendete Methoden, verfeinert sie oder tauscht sie aus. Auf die Art üben wir mit der gewünschten hohen Qualität.

 

Wie übe ich richtig?

Beispiel a)

 

45 minütige

Übungseinheit

Beispiel b)

 

45 minütige

Übungseinheit

Beispiel c)

 

25 + 20 Minuten

Übungseinheit

Beispiel d)

 

25 + 20 Minuten

Übungseinheit

5    Wiederholung

5    Technik

10    Technik

10    Technik

25    Üben Stück 1

5    Wiederholung

15    Üben Stück 1

15    Üben Stück 1

10    Gehör/Theorie/...

20    Üben Stück 1

 - Pause -

 - Pause -

5    Abschluss/Spiel

15    Üben Stück 2

5    Gehör/Theorie/...

 5    Wiederholung

 

 

15    Fortsetzung

Üben Stück 1

15   Üben Stück 2

Präsenz

Physische

Fehlervermeidung

Mentale Sicherheit

Genauigkeit

„Wenn der Körper, der bewusste Verstand und die Emotionen effizient und in der richtigen Weise zusammenwirken, werden optimales Lernen und Spielen möglich.“ Susan Williams

Vereinfacht gesagt, zeigt das Schema von Susan Williams diesen Ablauf:

 

Wir richten unseren Verstand bewusst auf die musikalische Aufgabe.

Wir entwickeln eine klare, emotional geprägte Klangvorstellung.

Diese wird selbstregulierend motorisch umgesetzt.

 

 

1) Tageszeit auswählen

 

Wie viel Energie hat ein Kind noch am Ende des Tages? Da diese ausschlaggebend für effizientes Üben ist, sollte Ihr Kind zu einer Uhrzeit mit hohem Energielevel üben. Erfahrungsgemäß ist das morgens (wochentags vor der Schule), etwa eine Stunde nach dem Mittagessen oder bei Ganztagsschulen etwa eine Stunde nach Schulschluss. Natürlich entscheidet nicht die Uhrzeit allein. Reichlich körperliche und psychische Aktivitäten benötigen ausreichend Pause zur Erholung. Auch eine üppige Mahlzeit erschwert die Konzentration.

 

Haben Sie gute Tageszeiten für Ihren Sprössling gefunden, behalten Sie diesen Rhythmus möglichst bei. Er unterstützt die Routine, die uns Menschen als Gewohnheitstier viele Entscheidungen abnimmt.

 

 

2) Grobe Übungspläne zu erstellen können eine große Hilfe sein.

    Ein Planungszeitraum von 14 Tagen hat sich bewährt.

 

Beispielplan, hier mit Minutenangaben:

Berücksichtigen Sie bei der Übeplanung kurz-, mittel- und langfristige Ziele. Modifizieren Sie die Planung und finden Sie so heraus, welche Einteilung Ihr Kind anspricht. Ein Übe-Logbuch kann Sie dabei unterstützen.

3) Realistische Ziele setzen

 

Tägliche Ziele

Kurzfristige Ziele sind beispielsweise Tagesziele. Diese geplanten Absichten helfen dabei, sich das Ziel entschlossen und systematisch zu erarbeiten. Tägliche Ziele verschaffen sowohl in der Planung, als auch im Nachhinein eine sinnvolle Übersicht. Auf diese Weise schließen Ihre Kinder die Übungseinheiten immer mit Zufriedenheit ab. Das steigert nicht nur die Motivation, sie stärken auch ihren Glauben daran, mit ausreichend Übung jedes gesetzte Ziel erreichen zu können.

 

Realistische Ziele

Die Ziele müssen ganz genau formuliert werden und dem Level, wie der verfügbaren Übezeit entsprechen. Die Kinder brauchen hierfür etwas Erfahrung, um ihr Lerntempo und die Schwierigkeiten einschätzen zu können. Anfangs eignen sich daher lieber kleinere Ziele. Mit der Zeit hilft ihnen ihr Gefühl und das erlangte Verständnis dabei, fordernde, aber eben realistische, d.h. machbare Ziele zu stecken.

 

Schlechtes Beispiel:

Mein Ziel ist, Takt 1-8 zu verbessern. Ich hoffe, dass ich auch das Tempo schaffe.

 

Gutes Beispiel:

Mein Ziel ist, Takt 1-8 in Tempo 120 zu spielen. Dazu übe ich zuerst gezielt die Fingersätze. Danach steigere ich mit dem Metronom das Tempo.

 

 

4) Abschnitte festlegen

 

Wie schon im Beispiel integriert, sollten Abschnitte ein Teil der Zielsetzung sein. Diese sind überschaubarer, als das ganze Stück und können bei Bedarf erweitert werden. Die klare Begrenzung auf einen Teil des Stückes ermöglicht die mühelose Arbeit im Detail.

5) Reflektieren, dann wiederholen

 

Wichtiger als die Quantität des Übens ist die Qualität. Mit sinnlosem Wiederholen ist keinem Klavierschüler geholfen. Reflexion vor der jeweils nächsten Wiederholung ist wichtig, um die Schwachstelle eindeutig herauszufiltern. Erst dann können wir uns bemühen, sie bewusst zu verbessern. Innerhalb dieser Vorgehensweise kann der Fokus verlagert und verknüpft werden. Von dem Spiel richtiger Töne, über den Fingersatz und der richtigen Artikulation, bis hin zum Tempo und der Dynamik.

 

Leider geht vielen Schülern wertloses Wiederholen leichter von der Hand. Erwachsenen, sowie jungen Menschen. Denken ist schlichtweg anstrengender und kostet, weil die Lernenden einen Moment innehalten müssen, Zeit. Die Wahrheit ist jedoch, dass jede falsche Wiederholung Fehler festigt. Am Ende müssen sie noch mehr Zeit investieren, um diese mit voller Konzentration zu beheben.

 

Erst reflektieren, dann wiederholen. Das erspart unnötige körperliche Belastung, ist zeitsparend und effektiv.

 

 

6) Pausen hinzufügen

 

Denken erfordert Energie. Unser Speicher lädt sich nur in Pausen auf, die Regeneration erlauben.

Zu wirksamen Kurzpausen

Sind Körper und Geist erschöpft, ist das Üben destruktiv, wir verschlechtern uns.

 

 

7) Übemethoden anwenden

 

Hier warten zahlreiche Übemethoden zur Verbesserung von Schwierigkeiten. Es gibt weder Übungen, die jedes Problem beheben, noch gibt es ein Hindernis, das jeder Schüler gleich schwer überwindet. Experimentieren und variieren Sie! Finden Sie immer neue Wege, die vorzugsweise langfristig greifen.

 

Wer das Tempo einer Tonleiter erhöhen möchte, dem helfen grundsätzlich bestimmt die Praxistipps aus dem letzten Kapitel. Wie dort erwähnt, sind es lediglich ein paar von vielen Möglichkeiten und somit eine allgemeine Auswahl. Keine individuellen Tipps für individuelle Schwierigkeiten.

 

Daher füge ich nun eine Auswahl der effektivsten Übemethoden an.

 

 

 

 

Die besten Praxistipps

Praxistipp Nummer 1: LANGSAM UND DEUTLICH ÜBEN

Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen richtig oder falsch. Zuverlässig speichert es alles ab. Aus diesem Grund sollte es gleich von Anfang an die richtigen und vor allem alle Informationen bekommen. Darunter fallen also nicht nur die Töne und Fingersätze, sondern auch Artikulation, Dynamik, eben alles. Ganz besonders am Anfang kann alles gleichzeitig und überaus deutlich umsetzen zu müssen zu einem Gefühl der Überforderung führen. Weshalb wir unserem Gehirn Zeit geben sollten, zu denken, zu verstehen und zu verarbeiten. So vermeiden wir unnötige Fehler.

Also: Langsam und deutlich üben.

Praxistipp Nummer 2: MENTAL ÜBEN

Das mentale Üben hat in meinen Ausbildungsstätten leider keinen Platz gehabt. Glücklicherweise hat es später dennoch seinen Weg zu mir gefunden.

 

Das mentale Training stärkt unsere Vorstellungskraft und das kreative Hören. Was macht es unschlagbar? Man kann einfach alles mental üben, z.B. Entspannung, Ideale, Klangvorstellung, Kontrolle des Bewusstseins (Fokus, Konzentration, Nervosität,...), aber auch technische Fertigkeiten.

Hierzu üben wir die problematische Stelle erst im Kopf, danach auf dem Klavier.

 

Wozu ist das gut?

Bei den ersten Versuchen sollten Ihre Kinder diese Voraussetzungen schaffen:

 

  • Stille Umgebung, die völlige Konzentration und damit Präsenz ermöglicht
  • Zu übenden Stellen sollen kurz, einfach und langsam sein
  • Mentale Übedauer zunächst von etwa 5 Minuten

 

In aller Kürze zusammengefasst stellt sich Ihr Kind eine Passage vor. Am besten auswendig.

Es sieht die Tastatur vor dem inneren Auge und welche Finger welche Tasten spielen.

Dabei fühlt es den optimalen Bewegungsablauf und hört lebhaft den gewünschten Klang. Je detaillierter die Vorstellung, desto präziser sein musikalisches Ergebnis, desto größer sein Erfolg.

 

Mentales Üben selbst braucht sehr viel Übung. Ohne Erfahrung und Geduld verliert man sich leicht in der Übung und findet seine Gedanken plötzlich in den Nachmittagsplänen wieder. Das ist zu Beginn absolut normal. Es muss trainiert werden und braucht noch mehr geistige Energie, Kontrolle und Geduld als das langsame Üben am Instrument.

Mentales Üben ist eine der besten Lernmethoden.

Praxistipp Nummer 3: ZUFÄLLIGE REIHENFOLGE

Eine zufällige Reihenfolge der zu übenden Fragmente begünstigt die Speicherung im Langzeitgedächtnis. Denn zwischen den Aufgaben hin und her zu wechseln hält uns zum bewussten Lernen an. Wir müssen immer wieder „neu“ denken. Zufälliges Üben empfiehlt sich auch bei Stellen, die viel wiederholt werden müssen.

Also: Bewusst zwischen den Aufgaben/Fragmenten wechseln.

 

 

 

 

 

Mehr erfahren

 

Ihre Mithilfe

Datenschutz | Impressum